Sachverhalt:

 

Kinder- und Jugendhilfe teilt eine Besonderheit aller sozialen Aufgabenfelder: Ihre Qualität hängt direkt von der Leistungsfähigkeit ihrer Fachkräfte ab, insbesondere von der konkreten Tätigkeit der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen. Sie sind es als Person, die sich mit den Problemlagen der jungen Menschen und ihrer Familien auseinandersetzen, mit ihnen sprechen, ihr Vertrauen gewinnen, Hilfevereinbarungen treffen, Wirkungen überprüfen, schützend eingreifen. Diese Verbindung von fachlichem Wissen und kommunikativer Kompetenz steht als wesentliches Rüstzeug zur Verfügung.

Die Ausstattung der Jugendämter mit einer ausreichenden Zahl qualifizierter Fachkräfte zählt gleichwohl zu jenen Themen der Kinder- und Jugendhilfe, die seit vielen Jahren kontrovers diskutiert werden. Dabei haben die skandalisierten Kinderschutzfälle der vergangenen Jahre neben vielen fachlichen Klärungen auch die quantitative Seite nochmals deutlich in den Vordergrund gerückt: Die Leistungen können nur von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erbracht werden, die es tatsächlich gibt und die ausreichend Zeit für die Bewältigung der einzelnen Fälle aufbringen können.

 

Die Personalbemessung in den Jugendämtern trifft einen besonders sensiblen Bereich kommunaler Selbstverwaltung. Es liegt in der Verantwortung und Zuständigkeit des kommunalen Dienstherren, Zahl und Qualifikation der personellen Ausstattung der Jugendämter zu definieren. Neben der rechtlichen Einordnungen der Kinder- und Jugendhilfe als Aufgabe des eigenen Wirkungskreises und der Bezugnahme auf anerkannte, fachliche Erfordernisse besteht aber auch die sachliche Notwendigkeit einer Anpassung der vorzuhaltenden Infrastruktur an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten. Diese werden sich je nach Struktur und Größe der Sozialräume unterscheiden. So bleibt es den kommunalpolitischen Entscheidungsträgern vorbehalten, über die Qualität dieser Kinder- und Jugendhilfe im Sinne einer kommunalen Gestaltungsaufgabe zu entscheiden.

 

In einem Kooperationsprojekt des Bayerischen Landesjugendamtes mit dem Bayerischen Landkreistag und der Stadt Nürnberg sowie dem Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung (INSO) und unter weiterer Beteiligung der Kreisjugendämter Fürstenfeldbruck und Neumarkt in der Oberpfalz wurde ein Konzept entwickelt, mit dem für die wichtigsten fallbezogenen Leistungsbereiche der Jugendämter Standard- und Zeitbedarf für Arbeitsprozesse ermittelt und in ein Verfahren zur Personalbedarfsbemessung zusammengeführt werden. Im Ergebnis dieses Projektes ist ein Handbuch mit den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe in Bayern entstanden, mit dem sie in die Lage versetzt werden, für den Bereich der sozialen Dienste den Personalbedarf in Abhängigkeit definierter fachlicher Standards zu berechnen.

 

Durch das Bundeskinderschutzgesetz vom 22.12.2011, das am 01.01.2012 in Kraft getreten ist, hat der Gesetzgeber nochmals weitere Qualitätserfordernisse für die Mitarbeiter der Jugendämter festgeschrieben.

 

Die Verwaltung des Kreisjugendamtes schlägt deshalb vor, dass sich der Landkreis Pfaffenhofen für die Aufnahme in das PeB-Projekt bewerben soll. Es wird davon ausgegangen, dass die organisatorischen Voraussetzungen im Laufe des Jahres 2012 geklärt werden können und dass evtl. Kosten dann im Haushaltsjahr 2013 vorzusehen sind.

 

Herr Landrat Wolf führt aus, dass im Jugendamt 52 Personen auf ca. 40 Vollzeitstellen beschäftigt werden. Es stellt sich die Frage, ob die Personalbemessung im Jugendamt richtig ist.

 

Herr Payer teilt mit, dass PeB bereits bei verschiedenen Jugendämtern angewandt wird. Der nunmehr zu fassende Beschluss ist erforderlich, damit sich die Verwaltung um eine Teilnahme an diesem Projekt bewerben kann. Bei der bisherigen Bemessung durch den Prüfungsverband wurde die Qualität der zu leistenden Arbeit nicht berücksichtigt. Es wurden lediglich Fallzahlen errechnet. Daher ist es sinnvoll, sich um eine Aufnahme in dieses Projekt zu bemühen.

 

Herr Landrat Wolf unterstützt diese Initiative. Mit der Beteiligung am PeB-Projekt soll die Personalbemessung optimal ausgerichtet werden.

 

Herr Payer erläutert, dass sich die Kosten für die Teilnahme am PeB-Projekt auf ca. 15.000 € belaufen werden. Die Mittel hierfür sollen im Jahr 2013 in den Haushaltsansatz mit aufgenommen werden.

 

Von Seiten des Jugendhilfeausschusses bestehen keine weiteren Fragen.

 

 

 


Beschluss:

 

Der Jugendhilfeausschuss befürwortet die Teilnahme des Landkreises Pfaffenhofen an dem Projekt Personalbemessung der Jugendämter in Bayern (PeB) und beauftragt die Verwaltung des Kreisjugendamtes die entsprechenden Anträge zu stellen und die entsprechenden organisatorischen Vorbereitungen zu treffen.

 


Anwesend:                                     9

Abstimmung:

Ja-Stimmen:                                  9

Nein-Stimmen:                              0